fbpx

Dieser Beitrag ist auch erhältlich in: English (Englisch)

Der Alltag nach dem Lockdown kehrt in die Familien zurück. Nur unser Alltag wird komplett anders aussehen als früher.

Nach etwas hin und her – indem es erst so schien als würde David’s Kindergartengruppe gar nicht wieder öffnen, wir dann aber doch kurzfristig die Nachricht bekamen, dass wir ihn ab jetzt wieder bringen könnten – haben wir uns dazu entschieden, den Kindergartenplatz erst einmal komplett abzusagen.

Nach inzwischen 12 Wochen mit Kleinkind zuhause und dem ständigen Gefühl, eigentlich nie genug Zeit zum Arbeiten zu haben.

Warum?

Die Post-Covid Bedingungen in den Kindergärten sind uns einfach zu krass. Ich bin sicher, dass jeder Kindergarten bemüht ist, das absolut Beste aus den Umständen zu machen. Dass alle Erzieherinnen sich so liebevoll wie nur irgendwie möglich um jedes Kind kümmern. Aber ich kann mein Kind nicht mit gutem Gewissen zurück an einen Ort schicken, der plötzlich komplett anders ist.

Die Kinder dürfen am Tisch nicht mehr direkt nebeneinander oder gegenüber voneinander sitzen. Das gemeinsame Spielen ist stark eingeschränkt. Alle Erzieher tragen Masken und Handschuhe und müssen den physischen Kontakt zu den Kindern so weit wie möglich einschränken – dies bedeutet auch kein Hochheben oder Umarmen, wenn ein Kind weint. 

Ich habe nach nur ein paar Tagen schon von zwei Müttern mit Kindern aus verschiedenen Kindergärten gehört, wie traumatisch die Kinder dies empfunden haben.

Klar, einige Kindergärten haben etwas mehr Optionen es den Kindern schön zu machen, da sie generell weniger Kinder aufnehmen und mehr Freifläche, vor allem auch draußen, haben. Deswegen hatten wir (mal wieder) überlegt, in den englischsprachigen Montessori Kindergarten nach Larnaca zu wechseln. Die dürfen aber erst wieder ab September neue Kinder aufnehmen.

Was passiert im September?

Hier auf Zypern, wie wahrscheinlich auch überall sonst, kursiert die Vermutung, dass es eine “zweite Corona Welle” geben könnte. Nicht ganz unwahrscheinlich, da inzwischen die ersten Touristen einreisen. Ein zweiter Lockdown ist anscheinend möglich – irgendwann im Herbst.

So absurd wie ich es auch finde mein Leben rund um mögliche Lockdowns zu planen, so wenig will ich aber auch bis Ende des Jahres ohne Kinderbetreuung dastehen.

Was machen wir stattdessen?

Wir haben uns deswegen entschieden, eine Haushälterin / Nanny einzustellen, die fest mit bei uns wohnt. Bald schon treffen wir uns mit den ersten Bewerberinnen.

Als David ein Baby war, hatten wir schon einmal ein Au-Pair für ein Jahr, was im Großen und Ganzen sehr gut funktioniert hat. 

Vor- und Nachteile

Da David auch so täglich Kontakt zu anderen Kindern hat, freut er sich schon jetzt über unser neues Lebenskonzept. Er möchte nämlich gar nicht wieder zurück in den Kindergarten. Früher hat er morgens ganz oft geweint und war generell extrem unausgeglichen. Seit dem Lockdown hat er eine viel bessere Laune.

Wir alle haben morgens viel weniger Stress. Kein Wecker, der einen aus dem Schlaf reißt, kein hektisches Frühstücken und zu spätes Losfahren. Wenn es jetzt bei uns abends mal später wird, bin ich total entspannt, da ich weiß, dass David dann am nächsten Tag einfach eine Stunde länger schläft.

Aber natürlich hat ein Leben ohne Kindergarten auch Nachteile. Ein Punkt, der mich beschäftigt: David hat zwei Jahre Griechisch gelernt (als einziger von uns), was nun komplett wegfällt. Er spricht plötzlich total gut und viel Englisch, aber ich weiß nicht, wie viel Griechisch er überhaupt noch kann. 

“Leider” sind seine Freunde, die er regelmäßig trifft, alle Deutsche oder Russen. Wir haben keinen Kontakt zu zypriotischen Eltern mit Kindern in David’s Alter.

Vermutlich muss ich mich mit dem Fakt abfinden, dass auch wir, wie fast alle Ausländer auf Zypern, nie Griechisch reden werden. Was an sich überhaupt kein Problem ist, da Englisch komplett ausreicht. Und evtl. lernt David es ja später doch noch nebenbei. 

Zuerst hatte ich auch etwas Bedenken, ob wir David zuhause, selbst mit Nanny, ein gleichwertiges “Beschäftigungsangebot” wie im Kindergarten bieten können. Ich bin ja bekanntlich nicht so die Bastel-Queen und auch sonst manchmal etwas ratlos, was ich mit David im Haus machen kann. 

Aber im Lockdown habe ich gemerkt, wie wenig dramatisch das alles ist. David hat ganz viele Spiele-Ideen (die meisten beinhalten Autos) und ich habe schon viele Male mit ihm gemalt und geknetet. Ich bin überzeugt, dass Kinder von sich aus so viel Kreativität in sich haben und wir diese gar nicht anleiten oder ihnen nach irgendeinem Konzept etwas beibringen müssen. David zeigt und sagt sehr genau, was er gerade machen und lernen möchte und dann gehen wir so gut wie möglich darauf ein.

Vorfreude

Wir freuen uns auf jeden Fall über unsere Entscheidung und sind gespannt, was die nächsten Wochen und Monate bringen. Es fühlt sich freier und für uns stimmiger an. Ehrlich gesagt waren wir alle nie so richtig glücklich mit dem typischen Kindergartensystem. 

Dieses Jahr ist krass. Wir überdenken vieles, probieren Dinge aus und sortieren uns neu. Es ist herausfordernd. Aber auch ein großes Geschenk.

4 Comments

  1. Sigrid Eckold Reply

    Hallo Sarah,

    sehr schöner Blogartikel. Und euere Entscheidung halte ich für absolut richtig. Wenn man es beruflich organisieren kann, ist es so viel schöner für die Kinder, zu Hause und mit den Freunden zu sein, die sie sich aussuchen. Und ja – sie haben soviel in sich – man muß sich nicht ständig Programme aussuchen.

    Nanny ist gut – wenn sie paßt. Wir hatten immer Kindermädchen, weil ich mit drei Kids mein Studium zu Ende gemacht habe. Hat bestens funktioniert. Andere Erwachsene zu erleben, war für die Kinder auch ein Erlebnis. Sie haben sich nie beschwert oder geweint, wenn ich nicht da war.

    Viel Erfolg bei der Auswahl der richtigen Person und weiterhin Spaß mit deinem Sohn. Er sieht so liebenswert aus:)

    Liebe Grüße

    Sigrid

    • Sarah Reply

      Hallo liebe Sigrid, ganz vielen Dank für deinen super lieben Kommentar! <3 Ich bin sehr gespannt, wen wir tolles als Nanny finden und werde sicherlich berichten! 🙂

  2. Anja Gensmüller Reply

    Hallo liebe Sarah,

    aus deinem Newsletter springt wieder deine erfrischende positive Lebenseinstellung, die ich so an dir mag. Die und deine ansteckende (und für mich deine wörtliche ‚vorbildliche‘) Fröhlichkeit mit der Lust und Neugier, zwar gewisse Dinge nicht ändern zu können, sie aber für dich/euch so zu stecken, dass sie zu eurem Leben passen ❤ Aufmerksam zu beobachten, was geht und wie es euch dabei geht. Kleine Kursänderungen wenn’s hackt und dann wieder los.

    Das mit David hab ich besonders aufmerksam gelesen. Das ist unglaublich, wie er sich gewandelt hat. Und das ihr ihm (und euch) die Chance gebt, dass mit dem Kindergarten anders zu regeln.
    Das liest sich ja gruselig mit den Corona-Vorschriften im Kindergarten 😱

    Bei deinen letzten Absatz stimme ich dir voll und ganz zu 👍🏻

    Die Corona-Zeit ist nicht nur heftig, sie ermöglicht und eröffnet einem plötzlich ganz andere Sichtweisen und Wege.

    Danke für diesen Newsletter 😘

    Ganz liebe Grüße
    Anja

    PS: und falls du doch mal Ideen für Entertainment für David brauchst: mamiblock.de 😉 auf Youtube. Unbezahlte Werbung muss ich wohl noch dazu sagen 😅 Ich bin voll begeistert davon. Bin ich drüber gestolpert, als ich nach IKEA-Hacks (unbezahlte Werbung eines begeisteren IKEA-Fans 😆) gesucht habe.

    • Sarah Reply

      Ooooh du Liebe!! Ich danke dir so sehr für deinen Kommentar und liebe Worte, Anja!! 😘

Write A Comment