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Unser Mai-Experiment: Wir sind auseinander gezogen

Als unser Kindergarten bekannt gab, dass sie für eine Woche schließen würden, um alle Räume professionell desinfizieren zu lassen, war ich mit meinen Nerven am Ende. „Eine Woche? Die wollen eine ganze Woche schließen? Wie sollen wir das mit unseren ganzen Arbeitsterminen machen?“

Der Kindergarten machte nach der Woche nicht wieder auf. Er hat auch nach inzwischen 11 Wochen noch nicht wieder aufgemacht und es ist ungewiss, ab wann auf Zypern überhaupt die Kindergärten jemals wieder öffnen werden.

Aus einer Woche, die mich im Vorfeld unglaublich nervös gemacht hat, wurden inzwischen 11 Wochen, die erstaunlicherweise irgendwie funktioniert haben. Wir sind nicht pleite, David nicht traumatisiert und wir nicht geschieden.

Was wir aber nicht mehr sind: Eine gemeinsam lebende Familie. Zumindest temporär.

Denn für den Monat Mai haben wir uns ein Haus in den Bergen Zyperns gemietet und dann immer im Wechsel dort Zeit verbracht. Immer 5 Tage am Stück war einer von uns alleine dort, die Wochenenden haben wir gemeinsam in unserem Zuhause am Meer verbracht und dann fuhr der andere für die nächsten 5 Tage in die Berge.

So hatte jeder Gelegenheit zweimal 5 Tage komplett für sich alleine zu sein. Zum arbeiten, entspannen, reflektieren und einfach mal in Ruhe denken.

Ein System, das für uns so gut funktioniert hat, dass wir dies auch in Zukunft fortführen möchten und nun nach einem Zweithaus zur Langzeitmiete oder evtl. sogar zum Kauf schauen. 

Eine Familie mit Kleinkind, die nicht zusammenlebt?

Zugegeben, unser Familien-Wohn-Konzept ist nicht das, was man als Standard kennt. Pärchen haben doch zusammen zu wohnen, erst recht, wenn sie ein gemeinsames Kind haben.

Aber wir sind der Meinung: Jeder sollte für sich ein Lebenskonzept finden, das für alle und zur derzeitigen Situation passt. Und so haben wir uns entschieden, gemeinsam zwei Häuser zu bewohnen. David bleibt durchgehend in unserem Haus am Meer während wir uns mit dem Haus in den Bergen abwechseln. 

Anfang Mai war ich noch skeptisch, wie dieses Wohn-Experiment für uns alle sein wird. Ich hatte viele Ängste und Bedenken. Die wenigsten haben sich bewahrheitet. 

Einzig drei negative oder zumindest ungewohnte Aspekte hatte das Ganze:

Finanziell

Ganz klar, zwei Häuser zu bewohnen ist natürlich auch eine doppelte finanzielle Belastung. Doppelt Miete, Strom, Wasser, Internet. Außerdem etwas mehr Spritverbrauch durch das Pendeln zwischen den Häusern (zwei Autos hatten wir zum Glück vorher schon). 

Oft wechselnde Struktur

Dadurch, dass wir uns immer wöchentlich abwechseln, müssen wir uns alle natürlich auch oft an eine neue Struktur gewöhnen. Immer wenn man gerade in ein System gefunden hat, steht auch schon wieder der nächste Wechsel an. 

Alleine sein

Ein Problem, dass wohl nur ich so extrem habe: So sehr ich mich oft danach sehne, ganz für mich alleine zu sehr, so schwer fällt es mir dann auch, wenn es plötzlich soweit ist. Ich merke, dass ich unruhig bin so ganz alleine in der großen Bergvilla und oft total unruhig von einem Platz zum anderen renne, weil ich mich nicht mal eine Stunde alleine irgendwo hinsetzen und arbeiten kann. Ich bin gespannt zu sehen, ob dies mit der Zeit besser wird.

Dinge, vor denen ich erst Angst hatte, die aber nicht eingetreten sind:

Unsicherheit bei David

Meine größte Befürchtung war, dass David es merkwürdig findet, dass ständig einer von uns weg ist und wir nur die Wochenenden alle gemeinsam verbringen. Dass der ständige Wechsel des Hauptelternteils ihn verwirrt. Dies ist bislang überhaupt nicht der Fall. Im Gegenteil: David genießt es sehr, dass er nun fast durchgängig von einem von uns ungeteilte Aufmerksamkeit bekommt. Für ihn ist es inzwischen total normal, dass immer am Montag einer von uns zum arbeiten weg fährt und erst am Freitag wiederkommt. Generell habe ich sogar das Gefühl, dass meine Beziehung zu David durch das Alleinesein mit ihm noch schöner geworden ist.

Auseinanderleben in der Beziehung

Eine reine Wochenendbeziehung zu führen, wenn auch erstmal temporär, hat mich zu Beginn auch etwas unsicher gemacht. Aber ganz ehrlich: Wir mussten dringend etwas in unserer Beziehung ändern. Vorher waren wir 24 Stunden am Tag alle zusammen. Dadurch, dass wir jetzt alle immer mal Abstand voneinander haben, ist alles deutlich entspannter geworden und man freut sich auch wieder darauf, miteinander Zeit zu verbringen. 

Dinge, die ich mir eigentlich erhofft hatte, die aber nicht eingetreten sind

Mehr Arbeitsproduktivität

Ich hatte gedacht, dass ich in den 5 Tagen, die ich jeweils alleine in den Bergen verbringe, total viel Arbeit schaffen würde. Neue Produkte kreieren, Videos aufnehmen, Funnel bauen. Faktisch ist es aber so, dass ich durch unser neues System eigentlich nicht mehr Arbeit schaffe als vorher. In den ersten 2 Tagen muss ich meistens einiges nachholen, das in der Woche alleine mit David liegengeblieben ist. Außerdem lege ich alle meine Telefontermine in diese Arbeitswoche. Und habe dann vielleicht noch einen Tag, um wirklich etwas Neues zu erschaffen. An dem ich manchmal aber auch einfach nur entspannen und am Pool liegen möchte. So viel für mein Business geschafft habe ich bislang also nicht. Dafür deutlich mehr entspannt als vorher, was ja irgendwie auch wieder meiner Arbeitsproduktivität zugute kommt. 

Wir sind nun also auf der Suche nach einer Langzeitlösung für uns. Bzw. nach einem Langzeithaus in den Bergen. Denn es wäre schön, etwas eigenes zu haben und nicht immer auf AirBnB auszuweichen. Dann können wir uns dort wirklich richtig einrichten und ein richtiges zweites Zuhause draus machen. Drück uns die Daumen, dass wir etwas traumhaftes finden.  

3 Comments

  1. Hallo liebe Sarah! Wie froh ich darüber bin, dich hier gefunden zu haben! Ich finde deine Entscheidungen super spannend und kann sie sehr gut nachvollziehen! Sehr inspirierend! Ich habe eine 4-Monatige Tochter und merke jetzt schon, dass sich bei uns auch einiges ändern muss, da ich auch – noch – von zuhause aus arbeite und das geht nun gar nicht und ich würde meiner Tochter auch gerne mehr ungeteilte Präsenz schenken und die Zeit mit ihr geniessen, ohne ständig an meine Aufträge denken zu müssen! Arbeit & Familie trennen steht nun auch bei mir an und ich gehe verschiedene Möglichkeiten durch, doch deine ist mir noch nicht in den Sinn gekommen bzw. schon irgendwie, doch ich dachte auch, dass man das doch nur in Trennung macht … Danke für die Inspiration & Ermutigung! Liebe Grüsse Victoria

    • Sarah Reply

      Hallo liebe Victoria,
      gaaanz vielen Dank für deinen lieben Kommentar! Ich freue mich riesig, dass ich dich inspirieren konnte!
      Bei uns ist es jetzt gerade so, dass wir die Mountain Villa nicht mehr haben und auf der Suche nach einem dauerhaften Zweithaus sind. Das System war für uns wirklich gut, sodass wir es auf jeden Fall fortführen möchten!

  2. Oops noch was vergessen: Wie geht es dir jetzt damit? Hast du dich daran gewöhnt alleine zu sein? Und hast du inzwischen mehr Neues kreieren können, wenn du in den Bergen bist? =)

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