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Ich bin Social Media Managerin und ich habe alle meine Social Media Apps gelöscht. Mehr noch: Ich habe auch die mobilen Seiten von Facebook und Instagram auf meinem Handy gesperrt und auf meinem Laptop den Facebook Newsfeed dauerhaft und komplett geblockt.

Warum?

Weil Social Media nicht gut für meine mentale Gesundheit ist und mir definitiv nicht dabei hilft, wieder mehr zu meinem inneren Kind zu finden.

Das heißt nicht, dass ich Social Media grundsätzlich verteufle. Ich habe in Facebook Gruppen schon viele hilfreiche Tipps bekommen, bin Teil einiger toller Communities and teile auch gerne eigene Gedanken und Fotos.

Das Problem ist, dass ich keine Selbstdisziplin habe. Ich weiß, dass ich mich nicht mit anderen vergleichen sollte. Ich weiß, dass das, was andere in Social Media über mich sagen, nicht unbedingt etwas ist, das sie mir auch ins Gesicht sagen würden. Ich weiß, dass es niemandem hilft, wenn ich Fotos von toten Tieren oder Naturkatastrophen anschaue.

Und trotzdem tappe ich immer wieder in genau diese Fallen. Social Media macht mich mehr angespannt, neidisch und genervt als dass es mich erfüllt. 

Dabei ist es egal, ob ich durch Facebook scrolle oder mir Instagram Stories ansehe. 

Klar ist, dass Social Media aber auch genau darauf ausgelegt ist. Es soll uns auf der einen Seite süchtig machen, auf der anderen Seite aber auch unerfüllt lassen. Facebook möchte nicht, dass du nach 5 Minuten sagst “Ah, super, jetzt bin ich voll informiert und inspiriert, da kann ich Facebook für heute schließen”. Wir bekommen immer genau so viel, dass wir angefixt sind und unser Gehirn uns permanent suggeriert “Beim nächsten Mal scrollen ist bestimmt etwas noch Tolleres dabei. Beim nächsten Mal, beim nächsten Mal..”. 

Ich habe vor Kurzem in einem Artikel eine ziemlich passende Beschreibung dazu gefunden: Das Internet hat sich von horizontal zu vertikal entwickelt. Während wir uns früher horizontal in kleineren geschützteren Communities durch das Internet bewegt haben (ein Forum durchsucht, wieder geschlossen, einen Blog geöffnet, wieder geschlossen) bewegen wir uns heute einen Großteil der Zeit vertikal auf immer den gleichen Seiten (durch endloses Scrollen). 

Fakten und Studien zu Social Media und mentaler Gesundheit

Mit meinem Gefühl, dass Social Media nicht gut für unsere mentale Gesundheit ist, bin ich nicht alleine. 

Für eine Studie der Michigan Universität wurden Studenten in zwei Gruppen eingeteilt. Die eine Gruppe sollte Facebook Posts lesen. Die andere Posts auf Facebook schreiben und mit Freunden auf Facebook interagieren. Die Studenten, welche Posts passiv konsumiert hatten, gaben anschließend eine deutlich schlechtere Laune an als die, welche aktiv auf Social Media unterwegs waren. Das Spannende: Es ging hier nur um 10 Minuten pro Tag. 10 Minuten passiver Social Media Konsum am Tag kann deine Laune drastisch verschlechtern. 

Eine andere Studie von UC San Diego und Yale hat herausgefunden, dass Personen, die auf Facebook mehr als andere auf Links klicken und Posts liken, eine schlechtere mentale Gesundheit haben.

Auch gibt es Studien, wie von der Universität von Pitsburgh, die belegen, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen Social Media und Depression gibt. Je mehr schlechtere Erfahrungen eine Person in Social Media macht, desto eher entwickelt sie depressive Symptome. Genauer gesagt bringt eine 10% Steigerung von negativen Erlebnissen in Social Media sogar eine 20% Steigerung depressiver Symptome.

Spannenderweise funktioniert das ganze leider nicht umgekehrt. Eine 10% Verbesserung der Erlebnisse auf Social Media führt nur zu einer 4% Steigerung der mentalen Gesundheit. Social Media hat somit nicht das Potential uns ganzheitlich glücklich zu machen.

Mentale Gesundheit als Social Media Manager

Als Social Media Manager verbringt man statt den durchschnittlichen 2 Stunden pro Tag, gute 6-8 Stunden pro Tag in den sozialen Netzwerken. 

Ich könnte dazu ganze Abschnitte aus diesem sehr guten Artikel zitieren:

Social Media Manager müssen regelmäßig Kommentare lesen und auf diese antworten. Wir bekommen jeden Internettroll mit. Jede Beleidigung. Jedes Schlechtmachen. 

Außerdem müssen wir immer auf dem neuesten Stand sein, was alle neuen Funktionen für alle Kanäle angeht. Unsere eigenen Social Media Kanäle sind unser wandelndes Portfolio. Als Social Media Manager kommt es nicht gut an, die privaten Accounts einfach mal ein paar Wochen lang nicht zu pflegen. 

Unsere Accounts ganz löschen? Können wir sowieso nicht. (Ohne eigenes Facebook Profil kannst du keine Ads für Kunden schalten, keine neuen Features vortesten, keine Kommentare überwachen etc.). 

Und nun?

Da mein Beruf daraus besteht, Facebook Ads für Unternehmen zu schalten, möchte ich nun natürlich auch nicht dazu aufrufen, dass wir alle unsere Social Media Accounts schließen. Auch weil ich weiß, dass aus und durch diese Accounts viel Gutes entstehen kann.

Ich weiß aber, dass ich es nicht in dem Maße weiter nutzen kann, wie ich es die letzten Jahre getan habe. 

Deswegen habe ich schon vor inzwischen 2 Monaten meine Social Media Apps komplett vom Handy gelöscht und vor Kurzem auch auf meinem Laptop einige Sperren installiert.

Wenn du Social Media nutzt und es dich rundum erfüllt: Mega! Mach bitte genauso weiter.

Wenn du das Gefühl hast, dass du Social Media auf eine Art nutzt, die dir (derzeit) nicht gut tut, habe ich hier einige Tipps für dich, die dir helfen, mental gesund in einem “sozialen Internet” zu bleiben.

Gewohnheiten ändern

Bevor du direkt irgendwelche Apps deinstallierst, ist folgendes wichtig zu verstehen: Wenn du eine schlechte Gewohnheit (in meinem Fall: Mir das Gefühl von Verbundenheit und Inspiration über Social Media zu holen) loslassen möchtest, ist es wichtig, dass du sie durch eine gute Gewohnheit ersetzt.

Einfach nur die schlechte Gewohnheit aus deinem Leben zu verbannen, wird dich nicht langfristig glücklich machen. Du wirst dich sehr wahrscheinlich unruhig fühlen und dir eine neue schlechte Gewohnheit suchen. 

Ich hatte beispielsweise meinen Facebook Konsum durch den Konsum der Medium App ersetzt. Und obwohl Medium deutlich angenehmer und fundierter ist, musste ich feststellen, dass es auch dort sehr viele Artikel gibt, die mich mit einem negativen Gefühl zurücklassen. Und dass ich wie so eine kleine Ratte im Laborexperiment immer wieder genau diese Artikel anklicke, obwohl ich schon vorher weiß, dass sie mir nicht gut tun. 

Schreib dir deswegen am Besten auf einen Zettel, was du mit deiner neu gewonnenen Zeit konkret anfangen möchtest:

400 Wörter pro Tag schreiben

Eine Stunde in einem Buch lesen

30 Minuten Tagebuch führen

5 km spazieren gehen.

Schau, dass du etwas wählst, das du exakt zu den Zeiten machen kannst, in denen du vorher auf Social Media unterwegs warst. 

Schalte Benachrichtigungen aus

Egal ob iPhone oder Android und egal ob du Social Media komplett blockst oder nur zeitweise: Du solltest auf jeden Fall dein Handy so einstellen, dass du nicht pausenlos Benachrichtigungen bekommst. Hier ist ein extrem guter und extrem umfangreicher Artikel, der Schritt für Schritt erklärt, wie du dies für das iPhone einstellen kannst.

(An alle Android Nutzer: Das geht mit Sicherheit ziemlich ähnlich auch bei deinem Handy!)

Ich kann dir so sehr empfehlen, dir einen halben Tag Zeit zu nehmen und die wichtigsten Schritte aus dem Artikel umzusetzen. 

Schalte Farben aus

Ein bisschen lustig ist es ja schon, sich ein 1000€ Handy zu kaufen und es dann so einzustellen, dass es wirkt wie ein 10 Jahre altes Handy.

Trotzdem kann es zeitweise Sinn machen, zum Beispiel, um alle Farben auf deinem Handy nur noch in grau darzustellen. Wir mögen bunt und unser Gehirn suggeriert uns permanent: Mehr davon! Hier gibt es eine Erklärung, wie du ganz einfach dein Handy komplett auf grau umstellen kannst, um weniger oft am Tag das Bedürfnis zu haben, es in die Hand zu nehmen.

Wie du Social Media weiter nutzen und dabei mental gesund bleiben kannst

Nachfolgend findest du eine Liste von Anleitungen und Tools, die ich selber nutze oder empfehlen kann, die dir helfen, weiterhin Social Media zu nutzen, aber in einem Umfang und Maße, die dir gut tun und dich bereichern.

iOS und Android: Apps löschen, zeitlich beschränken und Seiten sperren

Auf meinem Handy war ich radikal: Ich habe alle Social Media Apps gelöscht. 

Und da ich bekanntlich keine Selbstdisziplin habe, musste ich Facebook auch auf dem Handy in Safari komplett sperren. Hier findest du eine Erklärung, wie du dies auf dem iPhone für Safari machen kannst.

Bei einem Android Handy brauchst du für das Sperren von Seiten im Chrome Browser eine App, wie beispielsweise “BlockSite”

Wenn du nicht gleich alles blockieren, sondern nur einstellen möchtest, wie viel Zeit pro Tag du in bestimmten sozialen Netzwerken verbringen darfst, kannst du dies auf dem iPhone über Screen Time machen und bei Android Geräten über die Digital Wellbeing App (für mich persönlich keine Option, da mir der “Ignore Limit” Button zu präsent angeboten wird).

Eine andere Alternative, um Social Media auf dem Handy auf eine gesunde Weise weiternutzen zu können, ist für iPhones die App Feedless

Feedless blockt die Newsfeeds für die mobilen Seiten (nicht in den Apps, die musst du vorher deinstallieren) von Facebook, Instagram und Twitter.

So kannst du auf dem Handy noch alle wichtigen Dinge bei Facebook anschauen, wirst aber nicht mehr durch den Newsfeed abgelenkt.

(Für Android kenne ich hier noch keine App, die diese Funktion hat.)

Mac und Windows: Seiten für bestimmte Zeiten sperren

Um Seiten in verschiedenen Browsern für eine bestimmte Zeit zu sperren, gibt es verschiedene Tools, wie beispielsweise Freedom. Damit kannst du einstellen, welche Seiten wann genau und wie lange auf all deinen Geräten zeitgleich gesperrt werden sollen. Solche Tools sind gut, um deine tägliche Produktivität zu steigern, aber mir persönlich zu unflexibel.

Mac und Windows: Den Facebook Newsfeed sperren (Safari, Chrome, Firefox)

Auch wenn Facebook für mich prinzipiell eine große Ablenkung darstellt, möchte ich doch jederzeit auf bestimmte Facebook Seiten und Gruppen zugreifen können. Ein kompletter Facebook Blocker wäre aus Kreativitäts-Sicht für mich deutlich besser, aber wenn mich ein Kunde mit einem dringenden Problem anruft und ich nicht auf seine Facebook Seite zugreifen kann, wäre das extrem ungünstig. 

Ich habe deswegen nur den Facebook Newsfeed bei mir auf dem Mac gesperrt.

Empfehlen kann ich dir hierfür diese Erklärung für dieses Tool.

Es ist komplett kostenlos, schnell eingerichtet und funktioniert für Safari, Chrome und Firefox. Was es tut ist ganz einfach: Es zeigt dir keinen Facebook Newsfeed mehr an. Auf alle Facebook Seiten, Gruppen und Profile kannst du noch ganz normal zugreifen, nur der Newsfeed bleibt leer. Irgendwie ganz angenehm, oder?

Bislang scheint es diese Funktion nur für den Facebook Newsfeed zu geben, aber noch nicht für Instagram.

Mac, Windows und iOS: Kommentare blockieren (z.B. bei Youtube)

Social Media Posts sind das eine. Kommentare das andere. Vor allem bei Youtube möchte ich in Ruhe ein Video schauen können, ohne in eine Welt aus Hass gezogen zu werden.

Mit dem Tool “Shut up” kannst du auf Webseiten automatisch und dauerhaft Kommentarspalten blockieren, sodass du diese einfach gar nicht siehst. 

Direkt für Youtube gibt es für den Chrome Browser auch die Extension “Youtube Rabbit Hole”, die dir Kommentare (und auch Videovorschläge) blockiert. 

Deine Meinung

Ich bin gespannt auf deine Meinung. Wie fühlst du dich, wenn du in Social Media unterwegs bist? Bereichert es dich oder lässt es dich mit negativen Gefühlen zurück? Nutzt du schon Tools, um deinen Social Media Konsum angenehmer werden zu lassen? Schreib mir einen Kommentar unten. 

4 Comments

  1. Hey Sarah, du sprichst mir aus der Seele.
    Allerdings bin ich den Schritt (das löschen von Social Media (im speziellen Fakebook)) schon vor einigen Jahren gegangen. Ebenso meide ich einige Seiten im Netz die einen ähnlichen Effekt haben indem quasi ein Suchtverhalten generiert wird.

    Es freut mich dass ich nicht der einzige bin der einen solch „drastischen“ Schritt gegangen ist, zumal für mich persönlich Social Media leider gar nichts mehr mit „Sozial“ zu tun hat.

    Denn: Was nützen einem 99999 virtuelle Freunde wenn man Hilfe beim Streichen oder Boden legen braucht? Genau genommen leider gar nichts…

    Vielen lieben Dank für den Artikel und mach bitte weiter so, war ja auch schon bei Verwandert ein treuer leser 😉

    Liebe Grüße aus dem (ausnahmsweise) sonnigen Deutschland

    Phil

    • Sarah Reply

      Hallo Phil, Facebook ganz löschen „traue“ ich mich noch nicht. Dafür nutze ich es aber auch beruflich viel zu viel. Mal schauen, wie sich das so entwickelt, im Moment bin ich total glücklich ohne den Facebook Newsfeed. Der war echt das Schlimmste für mich 🙈
      Liebe Grüße zurück ins sonnige Deutschland aus dem gerade mal kurz wolkigen Zypern!

  2. Hallo liebe Sarah,

    mit deinem heutigen Thema hast du einen langsam heilenden wunden Punkt bei mir getroffen. Das Thema beschäftigt mich schon lange.
    Als Gegenmaßnahmen habe ich seit längerem eine Erinnerungsliste bei meinem Tablett liegen: Dinge, die ich statt Facebook, Instagram & Co. machen kann.
    Diese Liste ergänze ich, sobald mir wieder etwas einfällt.

    Der neuste und aktuellste Punkt auf dieser Liste: Sarah’s neuen Blog lesen 😍

    Ich habe eben deine Überschrift gelesen und sofort mega neugierig mit dem Lesen begonnen 👍🏻😁

    Viel zu oft, da gebe ich dir 100% Recht, lasse ich mich durch facebook und Co. berieseln und ärgere mich später über die vergeudete Zeit 😔
    Die Sache mit der Selbstdisziplin… Oh ja, die kenne ich 🙈
    Als ständige Erinnerung für mich, habe ich vor einiger Zeit mit der oben genannten Anti-Facebook-Liste begonnen.
    Denn wie oft habe ich nach stundenlangem scrollen gedacht: Mensch! Du wolltest doch schon immer mal … lesen/hören/dich informieren tbc. Und mich geärgert 😠
    Dass ich nicht das gelesen habe, was mich wirklich interessiert, was mir wirklich wichtig ist. Meine Lebenszeit mit planlosem scrollen vertan 😤

    Daher freue ich mich, dass ich heute sofort deinen neuen Beitrag gelesen habe. Die Zeit war sehr gut genutzt 💪🏻 Dazu noch deine super tollen Tipps! Das mit der Schwarz-weiß-Einstellung werde ich gleich heute ausprobieren 😎

    Vielen Dank für diesen interessanten Artikel 😎👍🏻
    Gute Besserung an David 🙂❤

    • Sarah Reply

      Hallo liebe Anja,
      oh das ist ein super Tipp mit der Liste! 👍🏻 Das werde ich auch nochmal umsetzen. Nach draußen in die Natur gehen wird ganz oben mit dabei sein, das ist immer toll 🙂
      Ganz lieben Dank dir!!

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