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Manchmal kommt es in den Abendstunden, in den Momenten, in denen die Sonne mehr Schatten als Licht erzeugt. Manchmal kommt es gleich nach einem Streit, als Beiwerk zu einem bösen Wort oder trostlosen Gedanken. Und ganz manchmal kommt es wie aus heiterem Himmel inmitten der schönsten Sonnenstunde am Strand. 

Mein Heimweh.

Dabei möchte ich gar kein Heimweh haben. Ich möchte mutig Abenteuer erleben, hinaus in die Welt reisen, nie zurückschauen, die Augen immer optimistisch dem Horizont entgegen. Ich möchte im Hier und Jetzt leben, alles genießen, nie bereuen. 

Und doch kommt es. Es kommt als Wunsch nach einem bestimmten Essen. Als Sehnsucht nach einem Gefühl auf der Haut. Als Traurigkeit, eine bestimmte Person gerade nicht in der Nähe zu haben.

Vor Kurzem war ich seit langem wieder einmal so krank, dass ich mehrere Tage nur im Bett lag. Da kam das Heiweh ganz gewaltig. Ich wollte ein Matjes Fischbrötchen. Im Wald spazieren gehen. Mein ehemaliges Pferd streicheln. Ich wollte, dass meine Mama mir wie früher eine Eiskugel in einem Becher mit Schokopraline verziert. In diesen paar Tagen, in denen es mir körperlich so schlecht ging, wollte ich einfach nur zurück nach Norddeutschland. 

Nicht, dass das Leben hier auf Zypern so schrecklich wäre. Im Gegenteil. Wir genießen schon seit ein paar Wochen Sonnenschein und 20 Grad. Es gibt leckeren Kaffee, traumhafte Strände, tolle Menschen, viele Aktivitäten. Und doch ist mein Alltag hier natürlich komplett anders. 

Was mir am meisten zu schaffen macht, ist der fehlende Bezug zur Natur. Die Zyprioten selber schützen ihre Umwelt leider größtenteils gar nicht, die Landschaft ist oft zugemüllt und über den Umgang mit Tieren möchte ich an dieser Stelle gar nicht erst anfangen.

Aber mir geht es viel mehr um meinen eigenen fehlenden Bezug zur Natur. Ich gehe mit Sturmi etwa eine Stunde pro Tag spazieren, zwischen den Feldern. Den Rest des Tages halte ich mich jedoch entweder im Haus auf oder von Asphalt umgehen. Denn selbst wenn ich im Sommer Stunden in unserem Pool verbringe, ist dies ja doch keine richtige Natur.

Und klar, wir haben das Meer direkt um die Ecke. Und ich liebe das Meer. Aber mich am Strand aufzuhalten, bringt mir nicht so eine innere Erholung, wie durch einen Wald zu laufen. (Im Gegenteil, oft stresst mich der Sand und Wind am Strand sogar ziemlich). 

Keine Sorge, wenn mein Heimweh kommt, möchte ich nicht sofort alle Koffer packen und zurückziehen. Ich weiß, dass ich hier insgesamt glücklicher bin als ich es gerade in Deutschland wäre. (Ich bin ein Sonnenmensch. Wo ich her komme, gibt es pro Jahr etwa 1600 Sonnenstunden. Auf Zypern sind es 3200.) 

Vielmehr ist mein Heimweh ein Zeichen dafür, dass ich zum einen öfter mal die alte Heimat besuchen sollte und zum anderen meinen Alltag auch noch einmal überdenken darf. 

Noch nie saß ich hier auf Zypern auf einem Pferd. Was nicht daher kommt, dass es keine Reiterhöfe gäbe, sondern daher, dass ich noch keinen gefunden habe, bei dem ich die Pferdehaltung unterstützendswert finde. Aber vielleicht habe ich ja doch nochmal Glück und finde wenigstens für einen einmaligen Ausritt einen tollen tierfreundlichen Hof. 

Auch der Hundeplatz und die Arbeit mit den Hunden fehlt mir sehr. Leider gibt es auf Zypern gar keine ähnlichen Angebote und von April bis Oktober wäre es sowieso viel zu heiß dafür. Da Sturmi auch jetzt schon nur noch an kalten Tagen maximal eine Stunde laufen kann, fallen auch längere Spaziergänge mit ihm weg. Hier hilft also nur der regelmäßige Flug zurück in die alte Heimat und dann dort so viel mitnehmen und genießen, wie es nur geht. 

Irgendwie ist Heimweh doch fies, oder? Wir vermissen vor allem immer dann die Dinge, wenn wir sie nicht mehr haben. Könnten wir statt Heimweh nicht Jetztfreude haben? Sodass wir merken “Dieser Moment tut mir gerade so gut, dieses Gefühl nehme ich jetzt richtig in mir auf” und noch viel mehr all die kleinen Dingen und wichtigen Menschen in unserem Leben wertschätzen. 

Wahrscheinlich war mein Heimweh genau dafür ein Zeichen: Noch mehr Fokus auf Freundschaften und regelmäßige persönliche Treffen und gleichzeitig noch mehr Jetztfreude. In der Sonne sitzen. Den guten Kaffee trinken. Und irgendwann im Lieblings-Fisch-Restaurant dem Chef mal ein Foto von einem Matjes Fischbrötchen zeigen. Nur so als Anregung. 

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