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Hallo, ich bin Sarah, 31 Jahre alt, Mutter von einem 4-jährigen Sohn, Ehefrau und Hundebesitzerin. Ich komme aus Deutschland, lebe aber seit Mitte 2018 zusammen mit meiner Familie auf Zypern. 

Und ich bin zu erwachsen geworden. 

Ich habe gemerkt, dass sich mein Leben – trotz eigenem Kind – plötzlich nahezu nur noch um erdrückende Erwachsenen-Dinge gedreht hat: Termine organisieren, Buchhaltung, Wäsche waschen, Steuern zahlen, Möbel kaufen, Zukunftssorgen und alltägliche Fragen wie: Warum bin ich eigentlich dauernd erschöpft, wir kriegen wir alle Termine am Wochenende unter einen Hut, wann kommt nochmal die Putzfrau und warum zum Teufel hast du immer noch keine Schuhe an??

Ich führte mein Leben nicht mehr im Moment, sondern verbrachte viel zu viel Zeit gehetzt in meinem Kopf, ohne etwas wirklich zu genießen. 

Zeit also, wieder zu „entwachsen“. Wieder selber mehr zum Kind zu werden. Die kleinen Dinge genießen. Im Moment leben. Gefühle direkt fühlen und ausdrücken. Dinge ausprobieren. Aus der Norm ausbrechen. Jeden Tag ein neues Abenteuer erleben. Genau darum geht es in diesem Blog.  

Doch nicht jeder war überzeugt davon, dass ich die richtige Person für dieses Blogthema bin: 

Als ich begonnen habe, den ersten Personen von meiner neuen Blogidee zu erzählen, habe ich viel positives Feedback bekommen. Fast jeder konnte sich mit der Problematik „zu erwachsen geworden zu sein“ identifizieren und suchte nach Wegen, wieder mehr kindliche Freude in den Alltag zu bekommen. 

Einige reagierten jedoch auch irritiert. Allen voran Menschen, die mich schon länger oder besonders gut kennen. „Ähm, Sarah … das Thema ist super. Aber … du bist jetzt nicht wirklich ein Kinderfan, oder?“.

Was etwas befremdlich klingt, wenn man selber ein Kind hat. Keine Sorge, ich bin der größte Fan meines Sohnes und komme auch mit fremden Kindern einigermaßen klar. Aber es stimmt, ich bin nicht pauschal ein Kinderfan. Sie sind mir oft zu laut, zu schnell und vor allem zu unberechenbar.  

Vor einigen Jahren war ich auf einem Persönlichkeits-Seminar, in dem es unter anderem darum ging, das eigene Leitmotiv zu finden. Was ist die eine Eigenschaft, die alles bei uns bestimmt und überschreibt? Ich war an dem Tag ziemlich nervös, was wohl bei mir rauskommen würde. Ich hatte mitbekommen, dass bei einigen anderen Teilnehmern ziemlich „fiese“ Glaubenssätze ans Licht geholt wurden, die wir dann in vielen Nachfolgeübungen bearbeitet und positiv verändert haben.

Nun war ich an der Reihe und als ich mein Leitmotiv hörte, war ich erst immens erleichtert und dann etwas irritiert:

„Ich bin strukturiert“. 

Strukturiert…. das ist doch super? Was soll an Struktur bitte schlecht sein? Und warum soll ich das jetzt verändern, ich mag das als Leitmotiv? 

Entsprechend habe ich auch die nächsten Übungen etwas halbherzig ausgeführt.

Erst viel später habe ich verstanden, dass Struktur in manchen Lebensbereichen eine große Hilfe, aber in anderen ein riesiges Problem ist.

Für viele Dinge in meinem Business ist es super. Ich brauche Struktur, wenn ich Kunden betreue, meine To Do’s organisiere und Zahlen auswerte.

Im Privatleben, gerade mit einem Kind, kann Struktur jedoch sehr anstrengend sein. Ich habe das Gefühl, immer einen festen Plan für meine nächsten Tage zu brauchen. Alles muss perfekt aufeinander abgestimmt sein. Ich stelle mir in meinem Kopf genau vor, wie etwas für mich und meine Familie wird, was wir unternehmen und wie sich alle dabei fühlen.

Und wenn dann plötzlich eine spontane Sache dazwischenkommt werde ich gestresst. Nicht gestresst im Sinne von „Ok, doof jetzt, aber schauen wir mal, was sich daraus jetzt ergibt“. Sondern „Oh mein Gott, ich verliere komplett die Kontrolle“-gestresst. 

Das ist auch der Grund, warum ich nicht unbedingt als Kinderfan bezeichnet werden kann. Kinder sind nunmal spontan. Dinge lassen sich schwer bis gar nicht planen. Und je mehr man versucht, mit Kindern das Leben zu strukturieren, desto gestresster werden alle Beteiligten, inklusive man selbst. 

Gerade deswegen ist dieser Blog für mich so wichtig. Ich weiß, dass ich selber weg von meiner inneren Struktur und hin zu einer kindlichen, spontanen Freude kommen muss, wenn ich dieses Leben (wieder) so richtig genießen will. 

Ich muss versuchen, Kinder als meine größten Mentoren zu betrachten. Und wie es bei Mentoren so ist, bewundert man sie, aber sie können einen auch ziemlich unangenehm fordern und daran erinnern, dass noch so viel mehr in einem steckt, wenn man sich denn endlich traut, loszulassen und neue Wege zu gehen. Vermutlich ist das der Grund, warum ich mich nicht so gerne mit Kindern umgebe: Sie bringen mich direkt an meine größte Angst (die Struktur und somit Kontrolle zu verlieren) und zeigen mir gleichermaßen, wie ungezwungen und im Moment man leben kann, wenn man keine Struktur hat (was auch wieder weh tut, denn insgeheim beneide ich sie genau darum). 

Ich gebe also zu: Ich bin tatsächlich die ungeeignetste Person für diesen Blog. Aber ich bin auch die Person, die diesen Blog am allernötigsten hat. Willkommen auf meiner unstrukturierten Reise zurück zu meinem inneren Kind.  

8 Comments

  1. Liebe Sarah,

    wie toll, dass Du nun einen neuen Blog startest. Ich finde die Thematik auch sehr spannend und kann Dir in vielen Dingen nur zustimmen. Ich bin dann einfach mal gespannt, was Du so alles schreiben wirst. Vielleicht kann ich mir ja auch etwas von Dir abgucken.

    Liebe Grüße nach Zypern
    Martina

    • Sarah Reply

      Danke schön, liebe Martina! Ich freue mich riesig, dass du mich schon so lange Zeit begleitest 🙂
      Ich schick dir liebe Grüße!

  2. Hallihallo Sarah,
    Ich war auch zu erwachsen. Aber dann habe ich beobachtet, wie meine Kinder aus ganz alltäglichen Situationen Spaß geholt haben: mit dem Radl extra über das Asphaltbuckelchen weil es so so schön rumpelt. Am Gehweg an der Kante balancieren. An Eiszapfen lutschen. Über Pfützen springen. Kichern, wenn ein Glas umfällt. Usw…. Ich hab mir viel abgeguckt 😀 und hab seitdem deutlich mehr Spaß im Leben !
    Liebe Grüße,
    Uschi

    • Sarah Reply

      Hallo liebe Uschi,
      oh wie schön! Und so wahr! Das beobachte ich bei David auch. (Vor allem durch Schlammpfützen fahren. Wehe, der Schlamm spritzt nicht bis auf die Windschutzscheibe. Unsere Autos sehen aus als waren wir wochenlang im Outback unterwegs 😄)

  3. Das ist irgendwie ganz mein Thema. Ich bin wohl auch viel zu strukturiert oft. Ich war schon als Kind „erwachsen“. Zumindest wurde mir das immer so mitgeteilt.
    Mich erleichtert übrigens, dass du schreibst, dass du kein Kinderfan bist, aber trotzdem ein Kind hast. Ich bin nämlich auch nicht wirklich ein Kinderfan, aber trotzdem denke ich über eigene Kinder nach. Klingt jetzt irgendwie etwas verrückt…

    Liebe Grüße
    Miriam

    • Sarah Reply

      Hallo liebe Miriam,
      das klingt gar nicht verrückt, ich kenne das ja sehr gut (David war auch geplant).
      Ich glaube, das Muttersein wäre für mich noch leichter, wenn ich ein großer Kinderfan wäre. Ich habe an einigen Dingen echt Spaß (zum Beispiel an gemeinsamen Draußen-Aktivitäten) kann mich für andere aber nur schlecht begeistern (mit Spielautos auf dem Boden spielen, basteln, …). Auch bin ich immer total k.o. wenn wir auf einem Kindergeburtstag sind, wo viele Kinder durcheinander laufen und rufen.
      Da ist es für mich total wichtig zu akzeptieren: Ok, das und das kann ich gut und das macht mir Spaß und das andere mache ich halt weniger. Ohne mich zu bewerten, weil eine Mutter doch alle Mutter-Aktivitäten mögen muss.
      Genauso finde ich es aber auch wichtig und spannend Lebensmodelle zu beleuchten, bei denen sich eine Frau bewusst gegen Kinder entschieden hat und damit glücklich ist. Gerade in Deutschland ist das ja eher etwas „verpönt“.
      So oder so, ich bin sicher, du findest für dich den richtigen Weg! 🙂

  4. Danke schön Sarah! Finde den Blog sehr inspirierend. Tolle Message die du nach draussen trägst! Freue mich schon auf weitere Artikel. Bis bald auf Zypern.

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