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Vor einigen Wochen habe ich eine spannende, und doch so offensichtliche, Erkenntnis gehabt: Ich bin hochsensibel.

Eigentlich wusste ich schon länger von dem Begriff und Phänonem Hochsensibilität. Und kann mir überhaupt nicht erklären, warum ich nie in Erwägung gezogen habe, dass dies auf mich zutrifft. 

Als ich dann diesen Test gemacht habe, ist mir mit jeder Frage klarer geworden, dass nahezu alles auf mich zutrifft – und vieles auch sehr extrem.

Hochsensibilität bedeutet grob gesagt, dass Sinneswahrnehmungen (sehen, hören, riechen etc.) sehr intensiv wahrgenommen werden. Außerdem haben hochsensible Personen meist ein sehr intensives Innen- und Gedankenleben. 

Ich bin definitiv extrem empfindlich, was Sinnesreize angeht. Laute Geräusche sind für mich das Schlimmste. Aber auch Wind kann mich ganz schnell stressen. Und wenn verschiedene stärkere Reize zusammen kommen (Wind und Sonne und dann vielleicht noch laute Musik oder redende Menschen, von Großstädten ganz zu schweigen) bin ich super schnell völlig fertig. 

Andere physische Besonderheiten, die ich auch gut kenne, sind eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit und dass ich sehr extrem auf Koffein reagiere (weswegen ich auch überall nur Kaffee ohne Koffein trinke). 

Ich würde außerdem von mir behaupten, dass ich ein komplexes inneres Leben habe. Konkret bedeutet das leider auch, dass ich extrem schnell gestresst bin, wenn ich multitaske oder das Gefühl habe, dass mehrere Menschen zeitgleich etwas von mir wollen. Oder dass mich kleinste Veränderunen in meinem Alltag sehr stressen. 

Die positive Seite, die ich für mich auch fühle ist, dass man Feinheiten noch mehr wahrnimmt – wie kleinste Nuancen im Essen oder Wein. Und dass man bei Kunst noch viel weiter eintaucht und durch einen Film oder ein Lied extrem stark bewegt werden kann.

In einem Punkt unterscheide ich mich hingegen sehr von den meisten anderen hochsensiblen Personen: Ich bin generell sehr extrovertiert und würde vermutlich nie als schüchtern beschrieben werden. Auch habe ich kein Problem damit, vor anderen Leuten zu perfomen, wie zum Beispiel einen Vortrag zu halten.

Allerdings brauche ich anschließend und generell sehr viel in meinem Alltag, die Möglichkeit mich komplett zurückzuziehen und für mich zu sein. Am Liebsten in einem abgedunkelten Raum ohne irgendwelche Sinnesreize. Weswegen ich auch so gerne schon um 20 Uhr ins Bett gehe – einfach um nur da zu liegen und meinen Gedanken zuzuhören.

Bei diesem Test treffen 21 (der 27) Punkte auf mich zu. Ab 14 gilt man als hochsensibel. Wahrscheinlich werden auch auf dich einige zutreffen. Generell sind etwa 15-20% aller Menschen hochsensibel. Auch kann es sein, dass weniger als 14 Punkte auf dich zutreffen, diese aber so extrem ausgeprägt sind, dass du dennoch in das Raster fällst.

Ich muss dazu sagen, dass dies kein wissenschaftlich anerkannter Test ist. Hochsensibiliät ist generell nicht wissenschaftlich anerkannt. Und natürlich ist es letztlich egal, ob man in eine bestimmte Kategorie passt. 

Mir hilft es aber ungemein zu wissen, dass ich nicht unnormal bin. Dass es sehr vielen anderen Menschen ähnlich wie mir geht.

Und auch zu erkennen, wie wichtig es ist, dass ich mir Auszeiten ohne Sinnesreize ermögliche. 

Als ich herausgefunden habe, dass das, was ich jeden Tag fühle und was mich oft so stresst, einen Namen hat, habe ich direkt gegoogelt, welche Vorteile mir meine Hochsensibilität bringt oder potenziell bringen kann. 

Warum Hochsensibilität ein großes Geschenk sein kann

Hochsensible Menschen erschaffen ein Gefühl von Ruhe in anderen Personen. Sie beschäftigen sich viel mit ihrer eigenen inneren Welt und können deshalb, bewusst oder unbewusst, andere Personen inspirieren, dies auch für sich zu tun.

Hochsensible Menschen sind außerdem sehr gute Zuhörer und oft vertrauen andere Menschen ihnen Dinge an, über die sie sonst nicht so freizügig reden. 

Der für mich auffälligste Vorteil, den Hochsensibilität mit sich bringen kann, ist, dass hochsensible Menschen oft sehr künstlerisch aktiv sind und Kunst erschaffen, die andere Personen tief berührt. 

Viele bekannte Künstler waren oder sind hochsensibel. Dazu passt auch sehr gut dieses Zitat, das ich entdeckt habe:

“The truly creative mind in any field is no more than this: A human creature born abnormally, inhumanly sensitive.”

— Pearl S. Buck

Was du tun kannst, wenn du hochsensibel bist

Generell musst du natürlich überhaupt nichts tun. Du bist perfekt so wie du bist. Da unser Alltag und unsere Umwelt aber nicht auf hochsensible Personen ausgelegt ist, helfen dir vielleicht diese Tipps, um möglichst entspannt durch’s Leben zu gehen:

Es ist nicht generell so, dass wir als Hochsensible alle Sinnesreize permanent von uns fernhalten wollen oder sollten. Wenn wir uns ganz auf einen Reiz einlassen können, ist das für uns eine große Bereicherung und etwas, in dem wir sehr aufgehen.

Du kannst mit verschiedenen Sinnen und Dingen experimentieren wie Kerzenlicht, Musik (etwas, das bei mir sehr stark wirkt), Duft oder weichen Decken.

Auch Bücher sind ein tolles Mittel, um erst in eine andere Welt einzutauchen und darüber letztlich zu dir zu finden.

Im Job helfen klare Routinen und Strukturen. Es hilft, wenn du Emails erst am Nachmittag das erste Mal öffnest und Meetings soweit wie möglich reduzierst. Außerdem empfehle ich generell jeder Person, vor allem aber hochsensiblen, soweit wie möglich auf Social Media zu verzichten. 

Was ich für mich ändern werde

Jetzt, da ich verstanden habe, dass ich hochsensibel bin, werde ich noch mehr Auszeiten fest in meinem Alltag einplanen. Zeiten, in denen ich ganz alleine bin und je nach Laune Ruhe oder einen ausgewählten Sinnesreiz (z.B. Musik) bewusst wahrnehme.  

Auch darf ich noch mehr meine persönlichen Grenzen festsetzen und wahren. Hochsensiblen Personen fällt dies oft schwer, da sie so stark die Bedürfnisse von anderen Leuten spüren und es ihnen nicht gut geht, wenn diese nicht erfüllt werden. Hier möchte ich gerne das perfekte Mittelmaß für mich finden.

Ich möchte zudem noch mehr Zeiten in meinem Alltag einplanen, ich denen ich künstlerisch etwas erschaffe. Dass ich eine Schreibroutine einführen möchte, weiß ich schon seit meinem Jahresrückblick. Nun wird es wirklich Zeit dafür. 

Bist du hochsensibel? Oder hast du keine Ahnung, wovon ich rede? Ich freu mich auf deinen Kommentar!

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