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Am Donnerstag war es soweit. Nach endlos erscheinenden Wochen, in denen wir auf Zypern nur mit staatlicher SMS Genehmigung zu wichtigen Zwecken raus durften, ist der Lockdown nun vorbei. Wir kehren zur Normalität zurück. Und ich trauere.

Als alles begann wusste ich, dass Einschränkungen kommen werden. Ich wusste, dass die Zeit intensiv und auch schwierig werden wird. 

Was ich aber nicht wusste war, dass die Aufhebung des Lockdowns für mich fast noch schlimmer als der eigentliche Lockdown werden würde.

Denn während nun mein Facebook Feed voll mit Posts von Menschen auf Zypern ist, die im Restaurant sitzen, sich am Strand treffen und erste kleine Partys feiern, erreichen mich immer mehr Nachrichten zu Dingen, die früher zu meinem Alltag gehörten und die nie wieder möglich sein werden. 

Hobbies, Lieblingsplätze und auch Menschen – etwas, das ich vor dem Lockdown und z.T währenddessen hatte und bei denen ich plötzlich erfuhr, dass ich es nicht mehr in dieser Form haben werde.

Und ich trauere und bin sauer über die ganzen Abschiede, die ich nie hatte. Dinge, die plötzlich einfach so weg sind und bei denen ich das letzte Mal nicht als solches genießen konnte.

Größtenteils sind es Kleinigkeiten. Aber als extrem strukturorientierter Mensch sind solche ungeplanten Veränderungen etwas, das mich sehr verunsichern kann.

Ich werde nie wieder morgens in die Parkgarage fahren, die Stufen hoch zum Fitnessstudio laufen und dort trainieren.

Es wird sehr lange dauern bis ich wieder in meinem Lieblingscafé coworken werde. Wenn es überhaupt wieder aufmacht und das nebeneinander arbeiten weiterhin geht.

Mein Hobby AcroYoga bleibt auf unbestimmte Zeit verboten.

Und noch manch andere Dinge, die ich während des Lockdowns erträumt und geplant hatte, werden für immer Lockdown Träume bleiben und nie Realität werden.

Es scheint, als wenn die Auflösung des Lockdowns bei vielen Menschen dafür gesorgt hat, direkt an dem Tag noch klare Verhältnisse zu schaffen. Und so erhielt ich gleich mehrere Nachrichten von verschiedenen Menschen, wie es nun weitergeht.

Was an sich natürlich gut ist. Ich hätte mir nur die ein oder andere Vorwarnung gewünscht. 

Dann hätte ich das letzte Mal im Fitnessstudio noch mehr genossen. Wäre im Winter noch zu AcroYoga Trainings gegangen. Hätte zumindest mehr von meinem Lieblings-Kaffee zum zuhause rösten gekauft. Und hätte einen seichteren Ausstieg aus so manch anderer Lockdown Träumerei gehabt. 

Dabei weiß ich natürlich, dass mir diese Vorwarnungen niemand hätte geben können. Niemand wusste vorher, wie lange unser Leben zum Stillstand kommen und was dies für Auswirkungen haben wird.

Und so zeigt diese Lockdown Situation eindrucksvoll, wie das Leben eben funktioniert. Nicht planbar. Ohne angekündigte Abschiede. Und manchmal auch einfach so schmerzhaft, dass ich sauer werde. Auf dieses Leben. 

Und damit eigentlich auf mich selber. 

Ich frage mich, zu was ich nun zurückkehren möchte. Denn im Grunde geht es mir genau wie all jenen Menschen, die ihr angemietetes Studio nicht wieder öffnen, ihr Business umstrukturieren oder Kontakte abbrechen. Es geht um eine klare innere Ausrichtung, ein festes Ziel im Blick. 

Ich merke, dass auch ich nach dem Lockdown und in der noch immer vorhandenen „Krise“ und Umstellung nicht mehr genau derselbe Mensch bin, der ich davor war. Prioritäten und Interessen haben sich verschoben und ich war so beschäftigt, dass ich trotzdem einfach alles so weiter gemacht habe wie gewohnt. 

Für mich ist es jetzt an der Zeit, eine kleine berufliche Auszeit zu nehmen. Eine Auszeit, die so viele andere während des Lockdowns hatten, während ich alles dafür getan habe, dass alles möglichst ohne Pause weiter läuft. Ohne zu merken, dass ich mich damit zwar finanziell absichere, aber man Glück eben nicht im Voraus kreieren kann, sondern immer nur im jeweiligen Moment.

Und so sitze ich jetzt hier auf der Terrasse der zypriotischen Bergvilla, die wir für einen Monat gemietet haben mit dem Wissen, dass ich schon ab nächster Woche deutlich weniger Geld verdienen werde, weil ich die Zusammenarbeit mit manchen Kunden spontan beendet habe. Ich bin nervös, aber merke auch, dass ich endlich zur Ruhe komme.

Wenn mir das Leben schon keine angekündigten Abschiede gegeben hat, kreiere ich mir nun eben geplante Neuanfänge.  

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