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“Da, ein Kind!”. Gesehen, gemocht, zusammen gespielt, Freunde.

Ich wünschte mir, Freundschaften knüpfen wäre wieder so leicht wie mit 3 Jahren.

Keine Bedenken. Kein Ego. 

“Mit dem gehe ich jetzt rutschen”, “Ich schieße meinen Ball mal rüber, mal schauen, wie sie reagiert”, “Wow, der schaut sich ein Buch an, da gucke ich direkt mit”.

Mit verzehntfachem Alter fühlt sich Freundschaften knüpfen für mich nicht mehr so leicht an. 10 Mal 3 war einfach eine zu lange Zeit für meinen Kopf, um sich zu entwickeln. In eine Richtung, die Selbstzweifel und die Angst vor Ablehnung, gestärkt hat.

Viele Bedenken. Viel Ego.

Manchmal treffe ich eine andere Frau in meinem Alter und es harmoniert. Ein gutes Gespräch, die Interessen scheinen ähnlich, man wohnt in derselbe Gegend. Und dann?

Selbst wenn ich die Handynummer habe oder auf Facebook verbunden bin, bin ich unsicher, wie ich weiter vorgehe. Einen gemeinsamen Kinobesuch vorschlagen? Direkt zu mir nach Hause einladen? Wenn ja, mit Partner und mit Kind? Dann wird es aber eher ein Treffen für die Kinder und man kommt selbst gar nicht zu Wort. Aber ohne Kind ist irgendwie auch komisch, wie soll ich das formulieren? Vielleicht hat die andere Frau auch gar kein Interesse an einer Freunschaft mit mir. 

Mit den ganzen verschiedenen Nationalitäten hier auf Zypern fühlt es sich für mich noch schwieriger an. Welche Freundschaftsgewohnheiten sind nochmal normal bei Briten? Findet die Zypriotin es übergriffig, wenn ich sie direkt zu mir einlade? Ist es wirklich so, dass Russen eher unter sich bleiben oder kann ich da ein Treffen vorschlagen, ohne dass die andere sich gezwungen fühlt zu kommen, obwohl sie eigentlich gar nicht will?  

Während der Schul- und Unizeit war das ganze irgendwie einfacher. Wo bitte gibt es den Guide für die Zeit danach? Wie kommt man als erwachsene Frau an neue Freundschaften vor Ort? 

Eigentlich bin ich ziemlich extrovertiert und wirklich nicht schüchtern. Aber ich merke, dass mich meine Unsicherheit hemmt. Ich habe Angst, dass hinter meinem Rücken über mich geredet wird als “die kleine Deutsche, die immer nervt”. Und selbst wenn ich mich überwinde und ein Treffen initiiere, habe ich Angst, dass es total verkrampft wird. Weswegen ich viel zu oft nichts mache und auf ein Zeichen der anderen Person warte. Die wahrscheinlich zeitgleich auf mich wartet. Und so warten wir Erwachsenen, dass uns Freundschaften irgendwie passieren ohne dass wir selber aktiv werden und etwas riskieren müssen.

“Da ein Mensch!”. Gesehen, gemocht, für immer nur Bekannte geblieben.

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