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Beim nächsten Kind würde ich so vieles besser machen. 

Ich würde mir in der Schwangerschaft frei nehmen und nur entspannen. Es würde bei uns zuhause auf die Welt kommen. Ich würde vom ersten Tag an wissen, wie man Windeln wechselt und Tragetücher bindet. Und die ersten zwei Jahre stillen. Beim nächsten Kind.

Beim nächsten Kind würde ich jeden Monat eines von diesen Instagram Fotos machen mit Angaben zu Größe, Gewicht und Alter in Monaten. Ich würde die wichtigsten Meilensteine (erste Schritte, erste Wörter) in einem handgeschriebenen Fotoalbum festhalten. Ich würde selbstgebastelte Geburtstagskarten verschicken und die Feiern nach Themen ausrichten. Ich würde Kuchen in Form von Zügen selber backen. Beim nächsten Kind.

Beim nächsten Kind würde ich meine Emotionen besser kontrollieren. Ich würde es nicht anschreien, nur weil ich selber gerade gestresst oder müde bin. Ich würde noch mehr malen, basteln und mit Spielzeugautos spielen. Ich würde mich flexibler verhalten und öfter spontan meinen Tagesablauf anpassen. Beim nächsten Kind.

Mein jetziges Kind, mein größter Mentor, meine größte Herausforderung und meine größte Wachstumschance: Danke, dass du mit mir gemeinsam erlebst, dass „würde“, „wäre“, „beim nächsten Mal“ alles Phrasen sind, die sowieso nicht stimmen. 

Denn ganz ehrlich: Ich würde weiterhin Geburtstagseinladungen über Facebook verschicken. Und den Kuchen beim Bäcker kaufen. Ich würde wieder durchdrehen, wenn ich nachts alle zwei Stunden geweckt werde. Ich würde manchmal laut werden und genervt reagieren, auch wenn ich mir fest vorgenommen habe, es nicht zu tun. 

Und ich würde noch viel mehr Dinge tun, mit denen ich im Nachhinein nicht zufrieden bin. 

Um dann wieder zu sagen „beim nächsten Kind..“. 

Deswegen ist es Zeit, „jetzt“ zu sagen. Jetzt bin ich die beste Mutter, wie es gerade für mich geht. Jetzt mache ich Fehler und lerne daraus. 

Jetzt entwickeln wir uns gemeinsam. Jetzt darf ich manchmal so doll verzweifeln, aber auch so doll wachsen. 

Ich könnte gar nicht so viele Kinder kriegen, wie ich Versuche bräuchte, es perfekt zu machen. Und vor allem möchte ich ein nächstes Kind auch nicht als Ausrede nehmen, um es nicht ab jetzt für uns beide besser zu machen. 

Denn auch mit dir als jetziges Kind gibt es viele nächste Male. Der nächste Tag, die nächste Stunde, der nächste Moment, das nächste Mal, wenn wir beide müde oder hungrig sind und uns streiten. Wahrscheinlich werde ich auch dann nicht plötzlich alles besser machen. Du wirst wohl weiterhin Kuchen vom Bäcker essen. Und es wird Situationen geben, da werde ich laut werden und genervt reagieren, auch wenn du es gerade gar nicht verdienst. 

Dann werde ich sagen: Das ist ok. Ich bin ok. Ich brauche keinen nächsten Versuch. Ich erkenne jetzt, was ich wirklich ändern möchte. Nicht Dinge, die ich bei anderen sehe. Sondern Dinge, die ich bei mir fühle. Und dann versuche ich es. Ab jetzt. Mit dir, mein jetziges Kind.  

2 Comments

  1. Liebe Sarah,
    ich verstehe dich so gut. Und ich hab beim zweiten Kind nicht viel besser gemacht, aber vieles entspannter und praktischer.
    Hin und wieder hab ich immer noch den Wunsch alles perfekt zu machen, besser zu sein, mir mehr Zeit zu nehmen und einfach alles „richtig“ zu machen. Und dann bin ich immer wieder enttäuscht von mir, weil ich es eben nicht mache oder schaffe.
    Aber wenn ich meinen, mittlerweile 13jährigen, Sohn frage ob ich eine gute Mutter bin, dann antwortet er (zu ehrlich): „fast immer“ und das reicht mir. Denn seine Meinung ist die einzige die zählt (und natürlich die seiner kleinen Schwester).
    Liebe Grüße
    Melanie

    • Sarah Reply

      Oooh, so schön! Ich hoffe, dass David die Frage auch später mal mit „Fast immer“ beantworten wird. Und es auch jetzt schon so fühlt (er spricht ja noch nicht so viel) 💜

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